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Sozialneid ?

Ja, früher war doch alles besser. Wenn man da ein Rennpferd besass oder Züchter war, hat man einen Ausweis erhalten der mit einem "B" geschmückt war. Geschenkt bekam man den natürlich nicht, der musste bezahlt werden. Dafür durfte man dann ohne Eintritt zu zahlen auf alle Rennbahnen und bestimmte Plätze auf der Tribüne bzw. dem Parkplatz waren reserviert. So war auch sichergestellt, dass man sich mit "Seinesgleichen" abgeben konnte. Auch in den Führring kam man damit, allerdings nur, wenn man ein Pferd hatte, das an dem Rennen beteiligt war. Es gab auch noch einen Ausweis mit einem "F". Das waren dann Funktionäre des Sports. Die waren meistens beim Direktorium angestellt und durften natürlich überall hin, auch in die Waage, in die ein "B" normalerweise auch nicht kommt. "T"= Trainer, "BT" = Besitzertrainer und "R"= Reiter kommen/kamen  natürlich ebenfalls in die Waage und manchmal auch "AR"= Amateurrennreiter.

Heute ist das anders. Es gibt Rennvereine "RV", die lassen sich für jedes Präsidiumsmitglied einschliesslich Ehegatten einen Ausweis ausstellen. In Deutschland wimmelt es nur so von Stallangestellten "ST" und auch Presse "P" sowie Verschiedene "VS" sind stark vertreten. Das schönste daran ist aber: Man kommt mit den Ausweisen überall hin. Nun wäre das an sich ja ganz gut, warum soll man eine Zweiklassengesellschaft auf der Rennbahn aufbauen, die Sache hat allerdings einen Haken, die Preise für diese Karten sind unterschiedlich hoch. Wie sich jeder denken kann, zahlen die Besitzer - wie fast überall in dem Sport - den höchsten Preis. Allerdings reicht für die Ausstellung des Ausweises auch schon eine Beteiligung von 5% an einem Pferd (früher waren es mindestens 25%). Alle 2 Jahre werden die Ausweise neu ausgestellt, dann geraten einige Ex-Rennpferde-Besitzer bzw. Züchter in Hektik. Wie kommt man wieder an das begehrte "B" und auch manch anderer überlegt sich, wie er es erreichen kann, wieder einen Ausweis zu ergattern. Dieses kleine Zettelchen, das jedem auf der Rennbahn (da man es auch sichtbar für alle trägt) signalisiert, ich gehöre dazu. Manchmal werden dafür dann sogar Pferde bzw. Stallgemeinschaften umgeschrieben (das bringt dann auch wieder Geld in die Kasse des DVR) oder eingeschlafene Beziehungen aufgefrischt. Der Preis spielt fast keine Rolle, allerdings kenne ich mittlerweile Besitzer, die sich auch gerne mit einem anderen Buchstaben als dem "B" begnügen, weil es für sie keinen Unterschied macht. Der Preis ist günstiger, man ist sowieso bekannt und man kommt auch ohne überall rein. Die Ordner schauen sowieso nicht wer da kommt bzw. lassen einen überall rein und wenn man einmal da stand oder gesessen hat, gehört man dazu. Allerhöchstens auf den Parkplätzen kann es noch zu weiteren Wegen kommen, aber das Problem haben auch die anderen Ausweisinhaber.

Nachdem wir also alle eine große Familie auf der Rennbahn sind und fast jeder einen Ausweis erhält mit dem er auch überall hin kann, frage ich mich jetzt aber doch, warum soll man sich so ein Ding überhaupt noch besorgen bzw. ein Pferd unterhalten. Das Geld kann man sich doch sparen. Die Rennvereine könnten auch sparen, weil man braucht keine Ordner mehr. Im Direktorium würden Kapazitäten frei gesetzt, allerdings auch Einnahmen flöten gehen.

Aber vielleicht bin ich ja auch nur neidisch, weil ich mich mit meinem "B" an die Spielregeln halte :-)

 

24.12.06 10:32


Winterzeit

Im GOL-Forum beschweren sich einige Leute, dass es mit dem Rennsport bergab geht. Das sähe man daran, dass an Starthelfern, Kassenpersonal und Kameraleuten und auch an der Heizung gespart wird. Dabei kann man immer das Haar in der Suppe suchen und die nicht besetzten Kassenhäuschen sind schon so alt wie der Rennsport. Einige haben mittlerweile sogar ausgemacht, dass die Traber evtl. an der Misere schuld sein könnten, weil die senden jetzt auch auf BD!. Dabei ist es doch egal, ob gar nichts kommt oder die Traber.

Der Niedergang des Rennsports hat einen ganz anderen Grund. Verträge, die zu Zeiten abgeschlossen wurden, wo der Rennsport noch in voller Blüte stand. Verträge die gemacht wurden, um einem Freund einen Gefallen zu tun. Verträge die sehr kurzsichtig waren. Interessen, die es zu wahren und verteidigen gilt. Interessen die einem persönlich wichtig sind. Posten, die man zugeschoben bekam oder ererbt hatte. Posten mit den man viel Geld verdienen konnte, ohne viel zu leisten. Kurzum Klüngel, Dummheit und Inkompetenz. Ich glaube in keinem anderen Sport trifft man auf soviel Ignoranz, Narzissmus, Egoismus, Blasiertheit, Borniertheit, Obstination.

28.12.06 10:10


Royal Goofy

So langsam wird er zum Sieger. Zwar im Ausgleich IV aber immerhin. Mit diesem Pferd verbinden mich sehr persönliche Erlebnisse und Enttäuschungen.

Zu Dritt fuhren wir auf die Jährlingsauktion 2002. Steffi (die mittlerweile durch einen Reitunfall ums Leben gekommen ist), Rene (der Mitbesitzer von Anzillero) und ich. Ich wollte kein Pferd kaufen sondern einfach nur Leute in Baden Baden treffen. Im Auto habe ich aber den Katalog ausgepackt und die erstbeste Seite aufgeschlagen. Es war die Katalog Nr. 128 (Royal Goofy). Als wir auf der fast 2-stündigen Fahrt die Pferde durchgingen, hatten wir (außer ihm)Prokofjew, Raffelberger, Siberion, Scalottas und Pepperstorm als unsere Wunschkandidaten ausgemacht. Mein Favorit war allerdings immer noch Royal Goofy. Er war ein Goofaliksohn und ich liebe Goofaliks und er kam aus Erlenhof. In Erlenhof - da stand meine Stute - hatte ich ihn schon gesehen und wusste, dass er ganz lieb ist. Da ich aber nicht vorhatte, einen Jährling zu kaufen, schaute ich mir nur die Auktion an und sprach überwiegend mit Freunden/Bekannten.

Wir sassen am Tisch (u.a. Werner Krballek der gestern 95 Jahre alt wurde) als Rene kam und mir sagte, dass er Royal Goofy gekauft hätte und ich, wenn ich wollte 50% bekommen könnte. Na klar, wollte ich. Voller Stolz liess ich mir Royal Goofy vorführen und Steffi - die Besitzerin von Erlenhof - freute sich mit mir und "meiner" Steffi darüber, dass er so eine gute Besitzerin bekommen sollte. Als herauskam, dass er mir nicht alleine gehörte, sondern auch Rene beteiligt war, begann für mich ein Horror-Tag. Steffi verlangte das Geld für ihn in bar und weder ich noch Rene hatten eine Bankvollmacht bzw. genug Geld einstecken. Mehrere Leute fuhren mit mir diverse Bankautomaten in Iffezheim an, aber das Geld reichte nicht. So musste Royal Goofy bis Dienstag in den Gastboxen ausharren bis das Geld eingegangen war (die Besitzerin von Erlenhof wollte ihn auch nicht mehr mit ins Gestüt nehmen). Nocheinmal stand er dann 4 Tage bei Trainer Richardson bis er nach Westerberg gebracht wurde. Weshalb Steffi von Erlenhof so reagierte ist eine andere Geschichte und hatte mit mir nichts zu tun. Trotzdem denke ich mit Grauen noch an diesen Tag. Viele Leute, die mich kennen und die Geschichte in Iffezheim mitbekommen haben, erzählen die Geschichte "von den Geldautomaten" heute noch. Aber so nahm die Geschichte um Royal Goofy ihren Anfang. Mit diesem Pferd sind noch viele Schicksale und Geschichten verknüpft.

31.12.06 13:38





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